(Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Neurologe und Gründer des ZNL, Ulm)
"Spielen macht Schule" ist ein langfristig angelegtes Projekt, das Grundschulen mit Spielzimmern ausstattet. Hintergrund ist, dass Spielen mit klassischem Spielzeug eine sinnreiche, entspannende Abwechslung zum Unterricht darstellt und dabei die Kinder spielerisch wichtige Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen: Spielen macht schlau!
Fachübergreifend wurde 2007 die Initiative "Spielen macht Schule" von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Dr. Eckart von Hirschhausen, Dr. Annette Schavan (Bundesministerin für Bildung und Forschung) u. a. erarbeitete und zusammen mit dem TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen in Ulm (ZNL) und dem Frankfurter Verein "Mehr Zeit für Kinder" ins Leben gerufen.
Seit 2007 wird der Wettbewerb "Spielen macht Schule" ausgeschrieben. Er wird von den Bildungsministerien der einzelnen Bundesländer unterstützt. Erstmals nahm 2012 auch das Bundesland Bremen teil.
Die Schule St. Magnus hat diese Gelegenheit gleich genutzt und ein individuelles Konzept für Spielzeiten in der Schule eingereicht – und gewonnen! Somit sind wir eine der offiziellen Teilnehmer-Schulen des Projekts "Spielen macht Schule".
In den nächsten Wochen erreicht uns eine Auswahl von Spielen, die von den Schülern in "Lernpausen", in Zeiten der VGS und während der Regenpausen genutzt und von den Lehrern im Unterricht eingesetzt werden kann.
Das Spiel bietet Freiräume zum Ausprobieren. Es lockt in imaginäre Welten und fantastische Abenteuer. Es fordert den Ehrgeiz heraus und schafft allgemein eine angenehme Lernatmosphäre.
Diese Qualitäten des Spiels werden oft mit dem Ende der Vorschulzeit nicht mehr genutzt. Dabei bieten Spiel und Spielzeug bis weit in die Schulzeit hinein optimale Chancen für eine kindgerechte, differenzierte Bewältigung von Entwicklungsaufgaben, die spannende Organisation von Lernprozessen und entspannende Spiele zwischendurch.
Im Spiel können Kinder ihre Motorik schulen und ihren Wortschatz erweitern. Spielerisch üben Kinder soziale Fähigkeiten, wie mit Sieg und Niederlage umzugehen und bestimmte Regeln einzuhalten. Sie lernen, sich zu konzentrieren und zuzuhören. Außerdem trainieren Kinder beim Spielen Fantasie, Kreativität, Geduld und Gedächtnis – und das hilft beim Lernen in der Schule.
Spielen und Lernen gehören zusammen: Gerade im Spiel lernen Kinder fürs Leben. Regelmäßiges Spielen ist für die kindliche Entwicklung von großer Bedeutung: Kinder sammeln hier wertvolle Erfahrungen, die sie im Alltag nutzen können. Spielen regt wichtige Lernprozesse an.
Im Spiel erwerben Kinder grundlegende Kompetenzen wie Teamfähigkeit oder den Umgang mit Konkurrenzsituationen – Kernkompetenzen, die Kinder auf die Anforderungen ihres späteren Lebens vorbereiten. Darüber hinaus können klassische Spielmittel dazu dienen, den Unterricht aufzulockern, ihn abwechslungsreich zu gestalten und Lerninhalte zu vertiefen.
Die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung zeigen, dass aktive Erfahrungswerte mit klassischem Spielzeug nachhaltiger sind als die passive Vermittlung, wie sie durch das Fernsehen oder am Computer stattfindet. Mit jeder Erfahrung, jedem Wahrnehmungs-, Denk- und Gefühlsakt gehen flüchtige, wenige Millisekunden dauernde Aktivierungsmuster im Gehirn einher. Deren Erfahrung verändert langfristig das Gehirn. Und im Gehirn prägt sich besonders gut ein, was über mehrere Sinne hineingelangt. Denn es bleibt eher im Gedächtnis hängen, weil mehr und tiefere Spuren angelegt werden.